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 Hier ein kleiner Bericht unseres reisenden Mitglieds Rainer.

Naadam ist das Nationalfest der Mongolei und findet jährlich vom 10. bis zum 13. Juli statt ...“ So beginnt der entsprechende Artikel in Wikipedia. Andere Reiseführer schreiben, Naadam beginnt immer am Montag nach dem 2. Juliwochenende. Aber all das gilt nur für Ulan Bator. Naadams finden im ganzen Land, auch in den angrenzenden Ländern China und Russland mit mongolischer Bevölkerung statt. Und Naadams gibt es neben der nationalen Grossveranstaltung auch in den Provinzhauptstädten und auf lokaler Ebene. Die Daten der Provinzhauptstädte kann man telefonisch erfragen, vorher sollten aber die mongolischen Sprachkenntnisse aufgefrischt werden. Manchmal kann die Verständigung aber auch gut in russisch oder chinesisch klappen. Bei den lokalen Naadams ist eine Auskunft von auswärts eher gar nicht einzuholen, da die Verantwortlichen gerne auch kurzfristig entscheiden, so nach dem Motto: Ja, morgen machen wir unser Naadam.

 

 

Diese Unübersichtlichkeit hat dann bei mir dazu geführt, dass ich sowohl die Eröffnungsveranstaltung in Ulan Bator, 2 Naadams in Provinzhauptstädten und 2 weitere dörfliche Naadams besuchen konnte. Und das innerhalb von 10 Tagen. Bei allen Wettkämpfen zeigte sich, dass die Pferderennen den höchsten Stellenwert haben, dort wird dann auch am meisten Geld umgesetzt. Allein beim großen 25 km Rennen in UB waren mehr als 300 Pferde am Start. An zweiter Stelle folgen die Ringkämpfe. So traten beim nationalen Naadam 1500 Ringer gegeneinander an, die Kämpfe dauerten so um die 30 Stunden. Bogenschiessen wird dann fast schon zu einer Randsportart und findet nicht bei allen Naadams statt. Oder es machen eben 3 Frauen und 4 Herren eine Meisterschaft unter sich aus. Geschossen wird auf 65 m (Frauen) und 75 m (Herren) mit stumpfen Pfeilen auf ein Erdziel.

 

Die Veranstaltung in UB ist geprägt von nationalem Pathos und für unsere Augen sehr farbenfroh. Aber sie findet eben in einem Stadion statt, und so ist man dann ein vom Geschehen weit entfernter Zuschauer. Dies ist bei den regionalen und lokalen Naadams ganz anders, da ist man stets mitten im Geschehen – und man passt schon selber auf, dass man den Ringern nicht zu nahe kommt. Für mich war die schönste Veranstaltung die in …? Ja, hier beginnt dann eine weitere Problematik, da das Altmongolische 1924 abgeschafft wurde und nun existieren verschiedene Transkriptionen nach dem russischen Alphabet. Ich möchte über das Naadam in der ehemaligen Hauptstadt Dschingis Khans schreiben, die hiess Karakorum oder Kharakorum. Unter diesem Namen findet man dann auf den Landkarten nichts. Die neue Siedlung, seit wenigen Jahren Stadt ist nur 800 m entfernt und heisst: Charchorin, Karkorin, Kharkorin, Kharkhorin … Stimmig war dort alles. Ich konnte von meiner Unterkunft (Family Tour & Guesthouse in 15 Minuten zum Festivalgelände laufen, alle Wettkämpfe finden nah zu einander statt, und es gibt neben den drei grossen Sportarten auch noch weitere Randsportarten, deren Namen mir aber nicht geläufig sind. Aber alles wird mit grosser Ernsthaftigkeit durchgeführt, nein eher zelebriert. Dabei bleibt dennoch die Gelassenheit nicht auf der Strecke. So wie bei einer Bogenschützin, die zwischen zwei Durchgängen ihr Kind gestillt hat.
 
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